Rundbrief

Das nächste Jahr wird kein Jahr ohne Angst, Schuld, Not sein. Aber – dass es in aller Schuld, Angst, Not ein Jahr mit Christus sei, dass unserm Anfang mit Chri­stus eine Geschichte mit Christus folgt, die ja nichts ist als ein tägliches Anfan­gen mit ihm – darauf kommt es an.“ Dietrich Bonhoeffer

Shalom Miteinander!

Zwei kurze Begebenheiten zum Einstieg:
Es ist kurz vor Weihnachten. Ich bin auf dem Schulhof der Oberschule und biete von unserer Schülerarbeit aus als Überbrückung zwischen Schulende und Bus Basketball an. Es ist schon richtig kalt, eisiger Wind weht mir um die Ohren und trotzdem scheint die Sonne. Da kommen einige Schüler einer fünften Klasse und wollen mitspielen. Nach einiger Zeit sagen sie zu mir, dass ist toll, dass sie hier Basketball mitspielen können. Sie seien nämlich nicht rechtzeitig zum Bus gekommen. Und wenn sie jetzt nicht hier spielen könnten müssten sie eine Stunde auf den Bus warten und wären total durchgefroren.

Und ich denke mir. Danke Jesus, dass das so gut ankommt. Und Danke, dass es so unkompliziert ist, auf dem Schulhof etwas für die Schüler anbieten zu können. Es kam auch schon vor, dass ein Lehrer auf mich zukommt und mich fragt, wie sich einzelne schwierige Schüler bei uns in der Freizeit verhalten.

Raphael ist beim Friseur. Man unterhält sich. Woher kommst Du? Na ja, aus Oberau, das einzelne Haus da hinten. Ach, ihr seid die Fahrradfahrfamilie. Dein Papa ist doch der mit den langen Haaren! Ihr fahrt doch bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad.

Dazwischen liegen harte Auseinandersetzungen kein Taxiunternehmen für unsere Kinder zu sein bis hin zu einer Selbstverständlichkeit mit dem Fahrrad zum nahegelegenen Bahnhof zu fahren.

Danke für alle Unterstützung in der letzten Zeit. Danke für die Care Pakete mit Textilien oder Lebensmittel, so dass mal andere Dinge auf dem Tisch standen als gewöhnlich. Wow. Riesen Dank. Unsere Schulden beim Jobcenter, von denen ich im letzten Rundbrief erzählte haben sich auf knapp 400 € reduziert. Es wäre toll, wenn wir ganz weg kommen von diesen Schulden.

Da war ich bei uns im Real einkaufen als ein älterer Herr auf mich zukommt und meint: „Wie ich sehe kaufen sie auch preisbewusst ein.“ Und dann gibt er mir einen Rabattgutschein mit den Worten „Den brauchen sie mehr als ich.“ Das war für mich eine Ermutigung Gottes nach dem Motto: ‚Ich sehe euch und das was ihr braucht.‘

Durch die Rückzahlung haben wir gerade manche Textilanschaffung zurückgestellt und meine Kinder erinnern mich daran, dass sie dringend neue Klamotten benötigen benötigen. Und frustriert waren wir, als unser Auto schon wieder in die Werkstatt musste … Das war ja letztes Jahr schon so, dass wir einiges an Reperaturen hatten.  Irgendwann könnte das doch mal aufhören.

Wir hatten zu Weihnachten eine tolle Zeit, d.h. die Kinder und ich. Zusammen waren wir in Schwerin bei meinen Eltern. Dort haben wir wohl nach über 20 Jahren das erste Mal wieder zusammen Weihnachten gefeiert. Magdalena hätte mitkommen können, aber sie hatte sich dagegen entschieden.

Wie geht es weiter?
Ich hatte die medizinische Betreuung beantragt, welche aber abgelehnt wurde. Es geht ihr nicht so schlecht, dass eine Zwangseinweisung gerechtfertigt wäre. Es geht ihr aber auch nicht so gut, dass ein Zusammenleben ohne Komplikationen möglich ist.

Das belastet mich im zunehmenden Maße zur Zeit. Es ist keine Perspektive ersichtlich. Gespräche oder Gesprächsversuche laufen ins Leere. Ich versuche ihr nahezulegen in die Klinik zu gehen und die medizinisch therapeutischen Möglichkeiten wirklich zu nutzen. Wir haben es ja in den Jahren vorher auch alleine in diesen Zeiten geschafft. Dann bekomme ich zur Antwort, dass wir sie ja nur abschieben wollen.

Wenn ich zurückschaue, was ich vor drei Jahren noch alles gemacht habe neben der Schülerarbeit merke ich, dass ich dies jetzt nicht mehr schaffen würde. Dazu kommen Querschläger aus dem Umfeld, wo ich oft Tage brauche um mich davon emotional zu erholen („Ich sei froh, dass meine Frau krank ist.“). Eigene Vorwürfe quälen mich ja auch schon oft genug. Und manchmal kommt mir das ganze wie ein Rosenkrieg vor. Magdalena ist ja nach wie vor felsenfest davon überzeugt, dass sie nicht krank ist.

Da tun Freunde gut, die mich begleiten. Gute Begegnungen im Gottesdienst oder einfach Zwischendurch. Vor ein paar Wochen war ich im Real arbeiten und traf einen Mann, dessen Frau psychische Probleme hatte und jetzt längere Zeit stabil ist. Ein Satz von ihm ist mir hängengeblieben. ‚Oft versteht das Umfeld nicht, was mich als Betroffenen (Angehörigen) schmerzt und nimmt mich als Betroffenen nicht richtig wahr.‘

Momentan weiß ich nicht, wie lange ich das noch durchhalte (seit über vier Jahren geht dies schon), da es mir selbst gesundheitlich auch nicht so gut geht. Seit 2 ½ Jahren habe ich mehr oder weniger starke Bein- und Rückenschmerzen. Laut MRT ein beginnender Bandscheibenvorfall. Ich hab mich nun endlich dazu durchgerungen eine psychosomatische Kur zu beantragen (d.h. erstmal einen Antrag für einen Antrag). Zuletzt stand die Bearbeitung der Krankenkasse noch aus. In Bezug auf unsere Situation kommen Gedanken, von dem nicht mehr können zu dem nicht mehr wollen, die mich erschrecken. Wie lange geht das ‚den Schwachen tragen‘? Was bedeutet es in guten wie in schlechten Tagen durchzuhalten? Ich habe Angst vor so einem Schritt, da ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass Kinder Mutter und Vater brauchen. Punkt. Ich wollte kurz schreiben, was mich dazu bewegt.

Unsere Familiensituation lässt sich nicht übergehen aber gerne würde ich mehr schreiben, was positiv passiert. Wie es in der Schülerarbeit am Grünen Haus Schritt für Schritt weitergeht und die Schüler den Hauswechsel positiv angenommen haben. Wir bräuchten weitere Mitarbeiter, die für diese Arbeit ein Herz haben und bereit sind sich einen Spendenkreis dafür aufzubauen. (www.terebinthia.de)

Oder ich würde mehr schreiben, wie toll es ist mal wieder ein Thema in einem Männerkreis über die Jahreslosung zu machen oder über die Kreativität bei uns, den Willow Creek Kongress in Leipzig … Weiterlesen könnt ihr hier:  Rachel parler-maintenant.blogspot.com

Ich selber merkte, dass ich eine Auszeit brauchte. Mein Akku war runter. Meine Kräfte schwinden. So hatte ich jetzt vom 25. Februar bis 2. März eine kleine Auszeit. Ein Exerzitienhaus in Dresden war leider belegt und so bin ich ins Kloster Triefenstein gefahren. Durch verschiedene Begegnung in den letzten Jahren gibt es Verbindungen dorthin und dann hat sich dort eine Tür aufgetan. Die großen Fragen, die ich habe wurden nicht beantwortet aber ich konnte nach langer Zeit einfach mal wieder abschalten, runterfahren, gute Bücher und Artikel lesen, Stille genießen, ruhige Spaziergänge machen, Gespräche und auf Gott hören.

Danke für’s Sponsoring, so dass ich überhaupt fahren konnte.
Momentan werde ich nicht so oft zum Regale einräumen bei meinem Nebenjob angefragt. Im Dezember waren wir manchmal 4-5 Tage im Markt. Jetzt kann es vorkommen, dass wir mal eine Woche gar nicht arbeiten müssen. Das ist zwar nicht schlecht, wenn ich mal früher zu Hause bin und auch noch Zeit mit den Kindern habe. Aber da fließt dann natürlich auch kein Geld. Da braucht es also auch eine Lösung.

Zum Schluss noch ein paar Familienstreiflichter:

Seit Anfang Februar wohnen wir schon 10 Jahre in Sachsen und auch Raphael, unser ältester Sohn, hat inzwischen mehr als die Hälfte seines Lebens in Sachsen verbracht.

Liebe Grüße

Nachfolge ist der Schritt aus den relativen Siche­rungen des Lebens hinaus in die völlige Unsicherheit. Nachfolge ist in Wirklich­keit der Gang in die abso­lute Sicherheit und Gebor­genheit der Gemeinschaft Jesu. Nachfolge ist der Schritt aus dem überseh­baren und berechenbaren unserer Welt in das gänz­lich unüberseh­bare in Wirklichkeit, aber in das einzig notwendige und verlässliche – die Liebe Got­tes.“ Dietrich Bonhoeffer (Ich liebe dieses Zitat)

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Über menuchaprojekt

Landschaftsgärtner - Theologe - Künstler Die Kunst im Dschungel des Alltags zu überleben.
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