Zwei Seiten einer Medaille

Moin, Moin!

In den letzten fünf Jahren haben wir einiges mit unseren Schülern erlebt. Wir sind durch Höhen und Tiefen gegangen. Es gab tolle Erlebnisse und deprimierende Momente. Seitdem wir diese Arbeit begonnen ist gemeinsames Essen ein hoher Wert. Wir werden von verschiedenen Läden unterstützt, so dass wir kostenlos Mittag und Kaffetrinken anbieten können. Diese Art von Gastfreundschaft ist uns wichtig. Romano Guardini hat dazu etwas tolles gesagt: „Das ist der Gastfreundschaft tiefster Sinn, dass wir einander Heimat bieten auf dem Weg zu dem ewigen Zuhause.“ Das wünschen wir uns. Gleichzeitig sind wir spärlich mit unseren Aussagen über unseren Glauben. Wir wünschen uns, dass wir ein ‚Brief Christi‘ sind, wie Paulus, einer der Briefeschreiber des Neuen Testaments sagt. Die Schüler sollen an und in unserem Leben lesen können, was es bedeutet Christ zu sein. Und eins gehört dazu: Vor dem Essen zu beten. Es brauchte mehrere Jahre, bis dieser Wert in unserer Arbeit angekommen ist. Vor Wochen fragte mich ein Schüler, ob es mir nicht peinlich ist, so vor dem Essen zu beten. Ich sagte nein, denn das mache ich ja zu Hause auch so. Ruhe. Und dann habe ich nach langer Zeit mal wieder gekocht. Ich brachte das Essen in unseren Aufenthaltsraum und wollte anfangen zu beten. Meistens singen wir ein Lied. Auf einmal fängt der Schüler an zu beten, der mich vor Wochen noch kritisch hinterfragt hat: „Gott danke, dass wir hier leckeres Essen haben und das unsere Freunde hier dabei sein. Amen“ Ich war baff. Ich war sprachlos. Innere Freude. Wow. Das ich so etwas erleben darf. Eine Entwicklung. Freunde hatten so etwas ähnliches von ihrer Arbeit in einer Kinderbetreuung berichtet.

Dann ein paar Tage später. Einer unserer Jungs hat über die Stränge geschlagen. Das liegt schon zwei Jahre her. Seitdem hat er rot und darf nicht kommen. Es sei denn er entschuldigt sich, hat ein Gespräch bei mir und leistet eine Sozialstunde in unserer Schülerarbeit ab. Er hätte das gleich machen können, dann wäre keine Pause von zwei Jahren entstanden. Aber manchmal haben die Schüler einen Abstand zu uns und kommen dann irgendwann doch wieder. Die beiden ersten Dinge haben wir schon hinter uns. Jetzt geht es darum die Sozialstunde abzuleisten. Ein Termin ist schon verstrichen. Dann hatte ich diese Woche einen zweiten Termin angesetzt. Der ist auch verstrichen.  Er hat mich wieder sitzen lassen ohne eine Nachricht. Bis er dies nicht gemacht hat, darf er nicht in unsere Räume. Also kommt er bis zur Haustür. Will mich nicht ansprechen. Keine Ahnung, was in ihm vorgeht. Ich hoffe nur, dass er es schafft auch diese Hürde noch zu nehmen.

be blessed

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Landschaftsgärtner - Theologe - Künstler Die Kunst im Dschungel des Alltags zu überleben.
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