Manches Ende ist ein Anfang

Moin, Moin!

Ich lebe viel in Zitaten, Liedern und Gedichten. Es sind nicht immer wieder neue Texte, sondern ich wiederhole sie mir oft in mein Leben hinein.

Oft finde ich in Zitaten und Liedern Worte, die das Ausdrücken, was ich denke & fühle. So schwirrt mir seit Tagen ein Lied von Jürgen Werth durch den Kopf: „Manches Ende ist ein Anfang“

Manches Ende ist ein Anfang, manche Nacht das Morgengraun. Mancher Tod bringt neues Leben, und Enttäuschung mehr Vertraun.

Geh den Weg mit bis zum Ende. Geh den Weg mit durch die Nacht. Geh durch Tod mit und durch Sterben, und dann zeig uns deine Macht.

Deine Hand ertast‘ ich zitternd, ängstlich horch‘ ich, was du sagst. Und ich fange an zu ahnen, dass du liebst, selbst wenn du plagst.

Geh den Weg mit bis zum Ende. Geh den Weg mit durch die Nacht. Geh durch Tod mit und durch Sterben, und dann zeig uns deine Macht.

Das Ende fühlt sich manchmal nicht so an als ob danach ein Anfang kommt. Es passt nicht rein. War nicht gewollt. Manchmal ist dieses Scheitern, was zu einem Ende führt einfach total schmerzreich. Manchmal verharrt man aber auch lieber in etwas Ungutem und wagt nicht den Schritt heraus in das Unbekannte. Da kommen dann auf einmal so Angstsignale hoch.

Manches Ende ist ein Anfang. Ja das stimmt. Das Ende ist nicht das Ende. Vielleicht ist es das Ende eigener Träume & Wünsche aber nicht das Leben. Es kommt etwas Neues. Etwas zu beenden ist nicht leicht, gerade, wenn es um Beziehungen geht.

Ein Job geht zu Ende, ein Film geht zu Ende, ein Spiel ist zu Ende, ein Musikstück ist zu Ende … die Liebe des Lebens geht zu Ende.

Etwas zerbricht. Die eigene Vorstellung vom Leben, etwas zu schaffen, etwas zu erhalten. Und dann? Was macht das mit dem Selbstbild? Das Selbstbild zerbricht und muss erneuert werden. Genauso wie das eigene geistliche Leben.

Beziehungen zwischen Menschen sind das zentrale Problem unserer Zeit. Gott ist nicht nur ein Gott der körperlichen Heilung, sondern auch ein Gott von heilen Beziehungen. Gottes Reich besteht nicht aus vielen einsamen Individuen sondern aus heilen, gesunden Beziehungen. So sehr sich Jesus auch um den Einzelnen kümmert, will er letztendlich vor allem, dass wir unsere Beziehungen in Ordnung bringen. Das zentrale Thema der Bibel heisst Beziehungen: unsere Beziehung zu Gott auf der einen Seite und unsere Beziehungen miteinander auf der anderen Seite. Jesus will, dass wir eine alternative Gemeinschaft schaffen, die sich grundlegend von allen Gemeinschaften unterscheidet, die wir bislang kennengelernt haben.
Aus: Jesus-Freaks Hamburg ’94

Wie geht es weiter?

Nach der Scheidung sagte meine Anwältin zu mir: „So und morgen können sie wieder heiraten.

Nach dem Abbruch des Alten. Wo wird mein neuer Platz sein? Wie gelingt die Beziehungsgestaltung zu den Kindern? Wie kann das bisherige Alte in das Neue mit integriert werden? Wie wird die Zeit in der Basisgemeinde? Meine Entscheidung zur Scheidung beinhaltet gleichzeitig die Entscheidung für ein Leben in Gemeinschaft. Wird es eine neue Heimat? Ich hoffe es. Aber vorausplanen kann ich es nicht.

Da ist mir im letzten Jahr ein Buchtitel aufgefallen. Ich las dazu eine Rezension in der P & S. Und dann dachte ich so bei mir, dass wäre jetzt ein entsprechendes Buch für meinen neuen Lebensabschnitt.

Tomas Sjödin
Wo du richtig bist: Vom Aufbrechen und Heimatfinden, SCM R. Brockhaus

Ein paar Zitate, die mir in diesem Zusammenhang wichtig geworden sind:

Menschen, die scheitern, die nicht das erreichen, was ihrer eigenen Definition zufolge das Richtige wäre, gelingt hingegen oft der Durchbruch zu Erleuchtung und Mitgefühl.
aus: Richard Rohr, Zwölf Schritte der Heilung, Herder Verlag, S. 29

Zerbrochene Träume sind eine Chance, unser Verlangen nach Gott zu entdecken und dann für ihn Raum zu schaffen und zu warten, dass er kommt.
Lawrence Crabb – Wenn Gott unsere Wünsche nicht erfüllt, S. 134

Unsere Suche nach Gott muss sich darum nach innen richten. Stille und Einsamkeit sind wichtig, wenn wir ihn entdecken wollen. Wir müssen den Lärm des Lebens aussperren und uns unserer inneren Welt bewusst werden. Hinter jedem Schmerz, hinter jedem moralischen Versagen, hinter jedem zerbrochenen Traum wartet Gott darauf, dass wir ihn entdecken.
Lawrence Crabb – Wenn Gott unsere Wünsche nicht erfüllt, S. 122

Vergessen Sie nie, was innerer Zerbruch bedeutet. Es ist die Erkenntnis, dass wir nicht so sind, wie wir gern wären, und dass wir es ohne Gottes Hilfe auch nie sein werden.
Lawrence Crabb – Wenn Gott unsere Wünsche nicht erfüllt, S. 91

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Lebst du schon oder schläfst du noch?

Moin, Moin!
Zur Zeit lese ich viele Texte, die aus der Gründungszeit der Basisgemeinde und deren Umfeld stammen. Und so fand ich einen ziemlich guten Artikel in einer Broschüre zum Thema ‚Die Kennzeichen der Kirche‘.
Dieser Text stammt von Johann Baptist Metz (katholischer Theologe) über den Lebenszusammenhang der Nachfolge:

Glaube und Zukunft: Beide Begriffe verlocken zu einem beziehungsreichen theologischen Gedankenspiel, bei dem dann freilich jede Ähnlichkeit mit gegenwärtigen Verhältnissen rein zufällig wäre. Ich will versuchen, dieser Verlockung zu widerstehen.

– Das Leitwort des Katholikentages „Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben“ (nach Jeremia 29, 11) ist ein biblisches Wort, das ursprünglich zu einem Volk gesprochen wurde, das ohne dieses Verheißungswort überhaupt keine Zukunft hatte. Auch Jesus verkündete, etwa in der Bergpredigt, seine Zukunft vor Menschen, die ohne ihn und ohne seine messianischen Verheißungen keine Zukunft hatten.

Wenn dagegen unsere Kirche – und ich spreche von unserer bundesrepublikanischen Kirche, von der Kirche in mitteleuropäischen Breitengraden – diese messianischen Worte heute wiederholt, dann spricht sie vorzüglich zu Menschen, die sehr wohl eine Zukunft haben. Sie bringen sozusagen ihre eigene Zukunft in die Kirche mit – die Mächtigen und unentwegt Optimistischen, um sie sich religiös bestätigen und überhöhen zu lassen, die Ängstlichen, um sie sich von der Religion schützen und bestärken zu lassen. Die messianischen Zukunft wird so vielfach zur feierlichen Überhöhung und Verklärung vorgefaßter bürgerlicher Zukunft und – angesichts des Todes – zur Verlängerung dieser bürgerlichen Zukunft und des in ihr mächtigen Ich ins Transzendent-Ewige.

Die messianische Religion der Bibel ist weithin zur bürgerlichen Religion im Christentum unserer Tage geworden. In dieser bürgerlichen Religion ist die messianische Zukunft aufs Äußerste bedroht. Und zwar nicht in erster Linie dadurch, dass sie zur Beschwichtigung und Vertröstung zum Opium für die zukunftslosen Habenichtse entfremdet wird, sondern dadurch, dass sie zur Bestätigung und Bestärkung für die bereits Habenden und Besitzenden gerät, für die ohnehin Aussichts- und Zukunftsreichen dieser Welt.

Die messianische Zukunft christlichen Glaubens bestätigt und bestärkt aber nicht einfach unsere vorgefaßte bürgerliche Zukunft, verlängert sie nicht, tut ihr nichts hinzu, überhöht und verklärt sie nicht, sondern – unterbricht sie. „Erste werden Letzte sein, und Letzte Erste“. Der Sinn des Habens wird durchkreuzt vom Sinn der Liebe: „Die ihr Leben besitzen, werden es verlieren, und die es gering achten, gewinnen.“ Diese Art von Unterbrechung, die senkrecht einschlägt und unsere mit sich selbst versöhnte Gegenwart stört, heißt mit einem bekannten biblischen Wort „Umkehr“, Umwendung der Herzen, metanein. Und auch die Richtung dieser Umkehr, ihr Weg, ist für Christen vorgezeichnet. Er heißt Nachfolge, Nachfolge Jesu. Darauf ist zu achten, wenn die Zukunft, zu der der Glaube befähigt, nicht von vornherein im Bannkreis bürgerlicher Religion ausgelegt werden soll.

Veränderung der Verhältnisse, sagt man gern, sei nicht Sache des Evangeliums und nicht Aufgabe der Kirche, wohl aber die Umkehr der Herzen. Das ist wahr und falsch zugleich. Die Umwendung der Herzen ist in der Tat die Schwelle zur messianischen Zukunft. Sie ist die radikalste und anspruchvollste Form der Umwendung und des Umsturzes, und dies schon deswegen, weil die Umkehr der Verhältnisse nie all das ändert, was eigentlich geändert werden müsste. Diese Umkehr der Herzen ist darum aber gerade kein unsichtbarer oder wie man gerne sagt, „rein innerlicher“ Vorgang. Er geht, wenn wir den Zeugnissen der Evangelien trauen, wie ein Ruck durch die Menschen, er greift tief ein in ihre Lebensorientierung, in ihre etablierte Bedürfniswelt und so schließlich auch in die durch die mitbestimmten Verhältnisse; er verletzt und unterbricht die unmittelbar auf uns selbst gerichteten Interessen und zielt auf eine Revision unserer vertrauten Praxis. Kurzum: er schickt auf die Wege der Nachfolge.

Wie aber steht es mit dieser Umkehr der Herzen bei uns selbst, in unserer Kirche? Gelingt sie? Wird sie immer wieder versucht? Ich möchte die Befürchtung ausdrücken (wiederum nicht denunziatorisch, sondern verunsichert und mit Trauer): Diese Umkehr der Herzen findet nicht statt – zumindest nicht in der Form, in der wir es als Christen vor uns selbst und vor anderen öffentlich bekennen. Die Krise (oder die Krankheit) unseres kirchlichen Lebens beruht nämlich nicht nur darin, dass diese Umkehr nicht oder zu wenig stattfindet, sondern dass wir das Ausbleiben der Umkehr unserer Herzen unter dem Schein eines nur geglaubten Glaubens auch noch vor uns selbst zu verbergen suchen. Kehren wir um oder glauben wir lediglich an die Umkehr und bleiben unter dem Deckmantel der geglaubten Umkehr die Alten? Folgen wir nach oder glauben wir nur an die Nachfolge und gehen dann unter dem Deckmantel der geglaubten Nachfolge die alten, immer gleichen Wege? Lieben wir oder glauben wir an die Liebe und bleiben unter dem Deckmantel der geglaubten Liebe die alten Egoisten und Konformisten?

gekürzte Ausführung des Eingangsreferats auf einem Gesprächsforum des 85. Deutschen Katholikentages 1978

In meinem Kopf schwirren zwar noch eine Reihe von Zitaten von Sören Kierkegaard oder Frank Buchman herum, aber ich belass es mal damit diesen Artikel hier vorzustellen.

 

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Christen in der arabischen Welt

Moin, Moin!

Angeregt durch einen Vortrag von Andreas Knapp über die letzten Christen im Orient (hier sein Buch) habe ich einen Beitrag des französischen Regisseurs Didier Martiny für den Sender Arte angeschaut. Der Film nennt sich ‚Christen in der arabischen Welt‚ und ist noch bis zum 10. März 2018 in der Mediathek von Arte verfügbar.
Eine Aussage von Bischof Biman der koptischen Kirche in Ägypten hat mich echt betroffen gemacht:

Ich will den Europäern und dem Westen folgendes sagen: Ich habe eure Demokratie und eure Achtung der Menschenrechte sehr bewundert. Doch dann war ich sehr überrascht über euer Verhalten nach den Gräueltaten in Nigeria. Dörfer wurden niedergebrannt und Menschen sind darin verkohlt. Dem Westen ließ das kalt. Ganze Dörfer im Irak von Jesiden und Christen sind zerstört worden. Menschen wurden enthauptet wie unsere Märtyrer in Libyen. Oder die äthiopischen Märtyrer. Keinerlei Reaktion. Aber der Anschlag in Frankreich auf diese Zeitung wurde sofort von Millionen von Europäern samt ihren Staats- und Regierungschefs auf’s schärfste verurteilt, so als wäre französisches Blut wichtig aber das der anderen Völker kein bißchen. Das macht mich traurig. Ihr habt eure Glaubwürdigkeit verloren. Erzählt mir nie wieder was von Demokratie und Menschenrechten.

 

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Zitat

Gebet ist unverzichtbar und wirksam, aber hören wir doch auf, uns vorzumachen, das Gebet oder der Glaube an Gott wären eine Versicherungspolice gegen das Leiden. Wer das tut, erzeugt noch mehr Leid.

Adrian Plass ‚Unterwegs in stürmischen Zeiten‘ Brendow Verlag (ein Andachtsbuch)

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Zitat

Passend zu meinem Besuch im Bachmuseum Leipzig habe ich folgendes Zitat von Mendelssohn Bartholdy gefunden: „Wenn ich allen Glauben an Gott verloren hätte, würde mir ein Choral von Bach reichen, um wieder zum Glauben zu finden.

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Postkartenentwurf Werte

Foto © Judith Ziegenthaler

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weitersagen

„Sagt euren Kindern, dass euer Leben verdankt ist dem Siegeswillen Gottes. Sagt ihnen, dass euer Mut geliehen war von der Zuversicht Gottes. Sagt ihnen, dass eure Verzweiflung geborgen war in der Gegenwart des Schöpfers.“
Johannes Rau

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